Fotos aus der Konservendose

Vor etwa einem Jahr hatte mir meine Schwester von einem Workshop erzählt in dem eine Lochkamera gebaut und ein Bild damit gemacht wird. Natürlich bin ich da gleich neugierig geworden und erfuhr, dass dieser Kurzworkshop 2x im Jahr im Spielzeugmuseum der Stadt Nürnberg angeboten wird.
Bei diesem Workshop der eigentlich Kinder als Zielgruppe hat werden die Teilnehmer durch das Herstellen der Lochkamera, die Aufnahme und das Entwickeln/Vergrößern des Bildes mit viel Geduld und Erklärungen begleitet.

pinholecam

 

So sieht die Konservendosenkamera fertig aus. Der Deckel oben ist ein Bierdeckel (fränkisch: Bierfilzla) der in einer schwarzen lichtdichten Plastikfolie klebt. Die Plastikfolie ist über den Rand nach unten gezogen und wird durch einen Gummi fixiert. Somit kommt schon mal von oben kein störendes Licht in die Kamera.

 

 

 

 

 

In der Kamera wurde der Raum mit schwarzem Tonpapier verdunkelt. Nur an der Stelle wo die Dose zusammengelötet wurde ist ein kleiner Streifen frei. Hier findet sich dann auch das Loch. Es ist in der Mitte der Dose mit 0.5 mm gebohrt worden. Hier ein Blick in die Dose.

 

innen film

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem rechten Bild ist zu sehen, dass der Film schon eingelegt wurde. Hier wird direkt auf ein Stück Fotopapier belichtet. Würde ich das so bei Tageslicht machen wäre meine Aufnahme am Ende schwarz. Das Fotopapier ist lichtempfindlich und muss in der Dunkelkammer bei Rotlicht eingesetzt werden. Noch in der Dunkelkammer muss der Deckel auf die Dose kommen damit in der Dose aboslute Dunkelheit herrscht.

verschluss

 

Um die Aufnahme zu machen wird die Dose platziert. Sie muss absolut sicher und fest stehen. Bewegt sie sich bei der Aufnahme erhalten wir unscharfe Bilder. Der Verschluss ist recht einfach gehalten. Im Bild rechts ist zu sehen wie er funktioniert. Einfach das Panzertape abnehmen, belichten, Panzertape wieder drauf. Mehr ist nicht zu tun. Konstruktionsbedingt sind sehr lange Belichtungszeiten nötig.

 

 

 

 

 

Ich dachte mir, ein Selfie aus der Blechdose hätte doch mal was. Ein ganz anderer Charme als vom Handy. Das Wetter war wechselhaft. Leicht bewölkt, immer wieder mal etwas Sonne. Also entschied ich mich für 3 Minuten Belichtungszeit. Ich sags euch. 3 Minuten können eine lange Zeit sein. Ein Assistent hat den Verschluss geöffnet, die Zeit gestoppt und den Verschluss wieder geschlossen. Mit der Dose, die das belichtete Fotopapier in sich hatte bin ich dann in die Dunkelkammer.  Das Fotopapier habe ich im Entwicklerbad und im Fixierbad entwickelt. Dabei kam folgendes Bild heraus.

negativvorn

 

Sieht schon komisch aus. Oder? Die Dosenkamera nimmt das Bild als Negativ auf. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir noch alles klar. Aber ich konnte mir nicht vorstellen wie ich daraus ein Positiv bekomme. Denn die Negative die ich sonst in der Hand halte sehen etwas anders aus. Wenn man aber das Fotopapier gegen eine Lampe hält, dann sieht man auf der Rückseite, dass Licht an manchen Stellen durchscheint und an anderen nicht.

Negativ

Also könnte man ja das Negativ auf ein anderes Fotopapier legen und dieses dann damit belichten. Die Stellen die auf dem Negativ dunkel sind werden auf dem Positiv hell dargestellt. Dabei kam dann mein Positiv heraus.

Fertig

Für den ersten Versuch nicht schlecht. Ich war wirklich überrascht, dass es etwas wurde. Die Dose, das Negativ und das Bild durfte ich behalten. Der ganze Spaß hat 2,50 Euro gekostet und hat sehr viel Freude gemacht. Ich möchte diese Technik noch etwas verfeinern und mit der Dose üben. Wenn ich die Abmessungen alle habe, dann kann ich auch in etwa berechnen wie lange ich belichten muss um gute Ergebnisse zu bekommen. Diese Aufnahmetechnik ist aus den Anfängen der Fotografie bekannt. Losgelöst von der digitalen Technik machte dieser Workshop das Entstehen eines Fotos wirklich begreifbar im wörtlichen Sinn.

 

 

 

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